Biodiversitätskonferenz CBD: Japan legt Artenvielfalt auf Eis

18. Okt 2010

pro wildlife
München, 13. Oktober 2010. Anlässlich der Tagung der Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) vom 18. bis 29. Oktober in Nagoya (Japan) kritisieren Artenschützer, wie rücksichtslos das Gastgeberland mit der Natur umgeht: „Die Regierung in Tokio sieht die Natur als Selbstbedienungsladen. Bedrohte Arten werden geplündert, die eigenen Interessen durchgedrückt“, sagt Sandra Altherr von Pro Wildlife. Bestechung bei der Walfangkonferenz, die Blockade beim Schutz des vom Aussterben bedrohten Roten Thun, oder das Festhalten am Wal- und Delfinfang: Der rücksichtslose Umgang Japans mit der Natur sorgte allein in diesem Jahr mehrfach für weltweite Kritik.

 Die „ Convention on Biological Diversity“ (CBD) ist mit 193 Mitgliedsstaaten eine der wichtigsten Naturschutz-Konventionen. Das selbst gesetzte Ziel, den Verlust der Artenvielfalt bis 2010 aufzuhalten, ist an Wirtschaftsinteressen gescheitert. Die diesjährige CBD-Konferenz soll deshalb eine gemeinsame Strategie verabschieden, um zumindest bis 2020 greifbare Fortschritte zu machen. Doch ausgerechnet jetzt ist Japan Gastgeberland und übernimmt bis zur nächsten CBD-Konferenz in 2012 die CBD-Präsidentschaft. „Damit wird der Bock zum Gärtner gemacht. Wir befürchten, dass Japan Fortschritte im Artenschutz auch weiterhin mehr behindert als vorantreibt“, so Altherr. Erst im Juni war bekannt geworden, wie die japanische Regierung sich mit Schmiergeld, Prostituierten und Drohungen Unterstützung bei internationalen Konferenzen sichert, um Artenschutzinitiativen zu blockieren.

Harpunieren, plündern, einfrieren: Japans Umgang mit mariner Artenvielfalt

Einer der diesjährigen CBD-Schwerpunkte ist die Biodiversität in den Ozeanen. „Für marine Artenvielfalt ist Japan ein wahrer Experte – allerdings in negativer Hinsicht: Denn das Land legt die Artenvielfalt der Meere in Kühlhäusern auf Eis“, so die harsche Kritik der Pro Wildlife Sprecherin. Seit Japan im März verhinderte, dass der stark bedrohte und in Japan für Sushi äußerst begehrte Rote Thun unter den Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) gestellt wurde, fror der Konzern Mitsubishi in Lagerhallen zehntausende Tonnen Roten Thun als Spekulationsobjekt ein: „Ein ausgewachsener Roter Thun erzielt derzeit auf Tokios Fischmärkten bis zu 130.000 Euro. Und die Preise werden umso weiter steigen, je seltener die Art wird.“ Nicht nur das Spekulationsobjekt Thunfisch wird tiefgekühlt aufbewahrt: „Auch etwa 4.000 Tonnen Walfleisch lagern derzeit in Japans Kühlhallen – das entspricht  40 Millionen Portionen Walfleisch“, so Altherr. Da Tokio am Fang der streng geschützten Wale aus rein politischen Gründen festhält, häufen sich die Walfleischmengen immer weiter an. Bei Japanern ist Walfleisch eher unbeliebt, die Nachfrage sinkt beständig.

Delfinjagd mitten im Nationalpark

Während in Nagoya 3.000 CBD-Delegierte aus aller Welt über Themen wie die Ausweitung von Schutzgebieten debattieren, finden im nur 250 Kilometer entfernten Fischerstädtchen Taiji Treibjagden auf Delfine statt. Bis zu 2.000 der kleinen Meeressäuger töten die Fischer dort jährlich mit Genehmigung aus Tokio. Die Bucht, in der die Delfine getötet werden, liegt ausgerechnet in einem Nationalpark. In Japan sterben jährlich bis zu 15.000 Delfine und Kleinwale. Die Kritik der Internationalen Walfangkommission (IWC) ignoriert die Regierung in Tokio seit Jahren.

Elfenbein: Hankos setzen tödliche Zeichen

Hankos sind offizielle Namensstempel, die in Japan wie eine Unterschrift gelten und für Vertragsabschlüsse jeglicher Art benötigt werden. Häufig sind sie aus Elfenbein hergestellt. Dies ist einer der Gründe, warum sich Japan aggressiv für eine Lockerung des Elfenbein-Handelsverbots einsetzte und erreichte, dass seit 2000 fast 90 Tonnen Elfenbein importiert werden durften. „Der legale Elfenbeinhandel bietet einen Deckmantel für Schmuggler. Über 30.000 Elefanten werden jährlich wegen ihrer Stoßzähne gewildert – und Japan hat dies mit zu verantworten“, sagt Altherr.

„Angesichts des rasanten Verlustes der weltweiten Artenvielfalt darf Japans Devise nicht länger sein, den Totalausverkauf bedrohter Arten voranzutreiben. Die Übernahme der CBD-Präsidentschaft sollte die japanische Regierung zum Anlass nehmen, ihre Naturschutzpolitik zu überdenken“, so Altherr.

 

Über Pro Wildlife:

Pro Wildlife ist eine gemeinnützige Organisation, die sich global für den Schutz von Wild­tie­ren und ihrer Lebensräume einsetzt. Weltweit unterstützt Pro Wildlife Arten­schutzprojekte vor Ort und leistet Aufklärungsarbeit, um Wildtierhandel und Wilderei einzudämmen. Pro Wildlife nimmt an Konferenzen wie der Internationalen Walfangkommission (IWC), dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, engl. CITES) oder der Konvention zum Er­halt der Biodiversität (CBD) teil, um den Schutzstatus von Wildtieren weltweit zu verbessern. Als Mitglied der internationalen Bündnisse Shark Alliance und OCEAN2012 kämpft Pro Wildlife gegen die Plünderung der Meere.

Pressekontakt:

Dr. Sandra Altherr

Annette Sperrfechter

Pro Wildlife e.V.

Kidlerstraße 2

D-81371 München

Tel: 089/81299510

annette.sperrfechter@prowildlife.de

www.prowildlife.de

 

 

 

 

 

 

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