Nichts ist schlimm genug...

13. Jan 2011

Zum dritten Tag in Folge hetzen die Delfinjäger mit gnadenloser Effizienz Streifendelfine in die Todesbucht. Die kanadische Delfinexpertin Leah Lemieux wundert sich, ob sich die Jäger jedes Mal von derselben grossen Delfinschule „bedienen“ und einfach Teile davon abspalten und jagen.

Zum 3. Mal werden wir Zeuge, wie diese Hochsee-Tiere in Panik geraten. Diesmal prescht plötzlich eine Gruppe von fünf Tieren nach links weg und gerät sofort in Untiefen zwischen kantigem Geröll und schroffen Felsen. Zuerst setzen die Jäger ihnen nach. Bald sehen sie aber, dass die Tiere hoffnungslos feststecken. So treiben sie zuerst die anderen Delfine, gut 20 Tiere, in die Todesbucht und bereiten die Tötung vor.

Diese „Arbeit“ dauert fast eine Stunde. Unterdessen verkeilen sich die fünf gestrandeten Delfine, die teilweise an der prallen Sonne liegen immer mehr zwischen den Felsen. Die Untiefen beginnen sich rot zu verfärben vom Blut, das aus unzähligen Schürf- und Schnittwunden der sehr schmerzempfindlichen, geschundenen Haut von fünf Delfinen ins Wasser rinnt. Namenloses Leid. So viel Blut ist im Wasser, dass ich mich wundere, warum einige der Tiere nicht längst verblutet sind.

Nach unendlich langer Zeit kommen die Delfinjäger und zerren die halbtoten, sich vor Schmerz windenden Delfine von den messerscharfen Felsen herunter und schleifen sie an Seilen zur Todesbucht hinüber. Schreckliches Ende nach schrecklichem Leid. Wir sitzen an unserem Beobachtungspunkt. Fassungslos. Verstehen die Welt nicht. Später berichtet uns Tim, sie hätten von oben, direkt über der Todesbucht, beobachtet, wie die Jäger vermutlich ein Tier zurückgelassen hätten. Dieses sei vermutlich tot in ein Wasserloch abgesunken.

Dieter und ich beschließen, zur Stelle, wo die geschundenen Delfine hatten leiden müssen, vorzudringen, um nachzusehen. Dazu müssen wir die abgesperrte Todesbucht durchqueren, um noch bei Tageslicht zum Ort des Schreckens zu gelangen. Unter den wachsamen Augen unserer Freunde stoßen wir so rasch als möglich vor. Am Ort angelangt, schnürt sich mir der Hals zu, in Erwartung, einen verendeten Delfin finden zu müssen.

Doch die Schlächter haben kein Tier zurückgelassen. Jetzt ist Ebbe und der tiefere Gezeitenstand entblößt nur nacktes Gestein. Mir ist fast schwindlig. Kurz verliere ich das Gleichgewicht und suche mit einer raschen Bewegung Halt am Felsen. Die Hand schmerzt. Das grobkörnige Gestein ist unglaublich rau und scharf. Würde ich hier fallen, könnte dies ernsthafte Verletzungen zur Folge haben. Die Delfine aber haben sich hier „nackt“ eine Stunde lang auf diesem messerscharfen Geröll gewunden.

Um das ganze Geschehen als Video anzuschauen bitte hier klicken (in Zusammenarbeit und mit freundlicher Genehmigung von Leah Lemieux, www.SaveJapanDolphins.com)

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