Nach Namis Tod - 80 Kilo Steine im Schwertwal-Magen

05. Feb 2011

Orca

Die Steine muss das Tier im Walmuseum von Taiji verschluckt haben. Dort wurde der Orca über 25 Jahre lang in einer kleinen Lagune gefangen gehalten. Der Untergrund besteht aus natürlichem Fels und Steinen. Dies ermöglichte es dem Schwertwal, das Gestein zu schlucken. An seinem neuen Standort, einem kahlen Aquarium in Nagoya, hat es keine Steine. Steine zu verschlucken ist etwas, was ein in Freiheit lebendes Tier nie tun würde. Dieses abnorme Verhalten ist ein weiterer Beweis dafür, wie gestört, neurotisch und gefährlich sich Meeressäuger in Gefangenschaft entwickeln können.

Nami verlor bereits Ende Dezember 2010 den Appetit. Am 14 Januar ist das einsame Orcaweibchen im Port of Nagoya Public Aquarium schliesslich krank und entkräftet gestorben, nachdem es rund 300 Kilo an Gewicht verlor. Als Todesursache galten zunächst – wie so oft – Magengeschwüre. Sie dürften auch eine entscheidende Rolle gespielt haben. Erst am 19. Juni 2010 war Nami vom Whale Museum in Taiji nach Nagoya verlegt worden.

Damit lebt kein Schwertwal mehr, der in japanischen Gewässern für die Lebendhaltung gefangen wurde. Nami war 1985 in Taiji gefangen worden, dem für seine blutigen Delfin-Abschlachtungen berüchtigten Fischerdorf an der Südspitze von Japans Hauptinsel Honshu. Das Tier ist schätzungsweise 28-29 Jahre alt geworden. Nach ihrem Fang lebte Nami 25 Jahre lang im Walmuseum von Taiji. Taiji hatte Nami für über 5 Millionen Dollar nach Nagoya verkauft. Orcas sind schwimmende Goldminen für den Lebendhandel unter Delfinarien.

Entsprechend sind in Japan bereits Gerüchte und Rufe nach neuen Lebendfängen von Orcas laut geworden. Denn «kaputte Ware» ruft nach Ersatz, wenn man  zynischer Marktlogik folgt. So hatte der Bürgermeister von Taiji bereits 2009 angekündigt, weitere Schwertwale fangen zu wollen. Laut unbestätigten Angaben bemüht sich die Gemeindeverwaltung von Taiji derzeit intensiv, eine Fanglizenz für Orcas zu erhalten. Auch in japanischen Gewässern dürfen nicht alle Meeressäuger bejagt werden. Unter Schutz stehen unter anderem die Schwerwale. Es ist aber zu befürchten, dass Taiji schon im laufenden Jahr eine Ausnahmegenehmigung erwirken könnte.

Siehe auch folgenden Link zum Thema (auf japanisch) hier

 

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