Tsunami tötet Delfine in Taiji

15. Mär 2011

Otsuchi

Sechs Aktivisten im zerstörten nordjapanischen Schweinswal-Jagd-Dorf Otsuchi konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Im Hafen von Taiji hat der Tsunami Delfingehege zerschmettert. Dabei sollen 24 Delfine getöet worden sein.

Nach dem Erdbeben und Tsunami in Nordjapan blieben Brian Barnes von Save Japan Dolphins, sowie Scott West, SSCS und vier weitere Leute aus Nordamerika zunächst vermisst. Sie hielten sich in Otsuchi auf, einem Fischerdorf vergleichbar mit Taiji. Otsuchi gilt als "Hot Spot" für die Jagd auf Schweinswale in der Präfektur Iwate, wo bis zu 15'000 Schweinswale getötet werden.

Nach dem verheerenden Tsunami ist Otsuchi praktisch von der Landkarte verschwunden. Für die sechs Aktivisten, die Otsuchi wegen der Schweinswaljagd besuchen wollten, war das Schlimmste zu befürchten. Doch heute gelang es Brian Barnes und Scott West, Kontakt mit der Aussenwelt aufzunehmen. Nach dem Erdbeben konnten sie dem Tsunami entkommen, indem sie sich auf höher gelegenes Gelände retteten.

Die Nacht verbrachten sie auf einem bewaldeten Hügel und machten sich heute Morgen auf den Weg zurück zum Hotel, das weitgehend unversehrt geblieben ist. Die Autos liessen sie wegen unbenützbarer Strassen zurück. Der Rückweg, kilometerweit durch Trümmer und Wracks, habe angemutet wie der Gang durch gigantische Kulissen eines apokalyptischen Films, schildert Brian Barnes.

Mittlerweise sind auch Neuigkeiten aus Taiji bekannt geworden. Auch hier hat der Tsunami zugeschlagen. Eine Reihe von sechs Flutwellen brandete in den Hafen von Taiji und zerstörte die Delfingehege. Diese seien gegen Felsen und Hafenmauern geschleudert worden. Dabei sollen mindestens 24 darin gefangene Delfine umgekommen sein, berichtet ein australischer Augenzeuge.

Zuvor war es den Delfinjägern offenbar gelungen, ihre Jagdboote vor dem Tsunami zu retten, indem sie diese aufs offene Meer steuerten, wo Tsunamis (Tsu-Nami = jap. "Hafen-Welle") kaum spürbar sind und problemlos "abgeritten" werden können. Diese Druckwellen bauen sich erst in flachen Gewässern auf. Niemandem sei es in den Sinn gekommen, die Delfine vorgängig freizulassen. Es bleibt zu hoffen, dass auch einige Delfine lebend entkommen konnten.

Sicher ist, dass die Fischereikooperative von Taiji durch die Zerstörung der Delfinanlagen im Hafen eine grosse "Wertvernichtung" hinnehmen muss. Noch nichts bekannt ist bisher von der "Dolphin Base", wo in relativ flachem und damit Tsunami-gefährdetem Wasser auch zahlreiche Delfine in Gehege gepfercht waren und vom Taiji Whale Museum, das ebenfalls Delfine hält. Insgesamt hat die Präfektur Wakayama, wo Taiji liegt, laut Agenturmeldungen vorübergehend rund 20'000 Menschen evakuieren lassen.

Bilder von Brian Barnes

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