Mikura

15. Okt 2011

Delfine

Mikura ist eine kleine japanische Insel im Pazifik, etwa 200 Kilometer südlich von Tokio. Hier hinaus bin ich per Fähre mit einer kleinen Touristengruppe gefahren, um für einmal etwas gänzlich anderes mitzubekommen, als den Schrecken der Delfinjagd.

Rund um Mikura leben rund 120 Tümmler, die sich das ganze Jahr über als grosser, loser Verband hier aufhalten. Früher seien es noch deutlich mehr gewesen, etwa 160 der stattlichen Delfine, erklärt unser kundiger Tourguide, die japanische Delfin-Kennerin Tamami Hashimoto. Bei ihr halten wir uns drei Tage und zwei Nächte auf, um die wilden Tümmler zu beobachten - und um mit ihnen zu schwimmen.

Das ist die bizarre Tatsache in diesem Land. Am einen Ort werden Delfine gejagt und getötet, hierher aber kommen Touristen, meist Japaner, um mit den Meeressäugern zu schwimmen. Ein wundervolles Erlebnis, mit wilden Delfinen zu schwimmen, die aus freiem Willen und ohne gefüttert zu werden, den Kontakt zu uns Menschen suchen. Und schön zu sehen, dass es Orte gibt, welche die Japaner aufsuchen, weil sie diese Tiere mögen und nicht um sie zu fangen oder zu essen.

Obschon es sicher die bessere Alternative ist, wilden Delfinen in ihrem eigenen Element zu begegnen, als sie in Gefangenschaft zu halten oder zu töten, ist das Schwimmen mit wilden Delfinen aber eine kontroverse Sache. Das erfahren wir auch hier auf Mikura. Die Anzahl der Boote, Fahrten und Leute, die rund um die Insel pro Tag ins Wasser dürfen, ist zur Schonung der residenten Tümmler zwar beschränkt und es gibt klare Regeln, die Tiere nicht zu berühren, zu füttern oder zu verfolgen, etc. Zudem ist über die Wintermonate Ruhezeit, allerdings dann, wenn ohnehin kaum jemand ins aufgewühlte, kalte Wasser steigen will.

Tatsache ist, dass trotz dieser Beschränkungen noch deutlich zu viele Boote mit "kontakthungrigen" und oft ahnungslosen Gästen jeden Tag den kräftigen Jägern (Delfine sind in ihrer Grösse mit stattlichen Haien vergleichbar) nachstellen. Das habe ich mit eigenen Augen beobachtet. Dies ist möglicherweise mit ein Grund, dass Delfine von Mikura abwandern und deren Population hier abnimmt. Oft zeigen sie wenig Interesse an den oft grabschenden und unkoordiniert im Wasser zappelnden Menschen und weichen ihnen lieber aus.

Im Extremfall, wenn sich Mikuras Tümmler wirklich belästigt fühlen, kann es dann zu Szenen kommen wie der folgenden: http://www.youtube.com/watch?v=TfHoy8PeY5A&feature=channel_video_title . Ich habe dieses Youtube-Video von einer japanischen Quelle zugespielt erhalten, mit dem Hinweis, dass vor nur drei Wochen jemand während einer Delfin-Schwimmtour in Mikura gestorben ist. Die Umstände seien nicht bekannt. Eine bemerkenswerte Fügung macht uns mit einer jungen Japanerin - nennen wir sie Yuri - bekannt, die zufälligerweise genau mit dieser tragischen Bootstour unterwegs war.

Yuri kann uns präzise beschreiben, was sie mit eigenen Augen gesehen hat. Zum Glück kann Yuri alle Zweifel und Befürchtungen ausräumen. Der Japaner, um die 50 Jahre alt, ist an Herzversagen gestorben. Das Unglück hatte nichts mit den Delfinen zu tun. Nichtsdestotrotz kann Schwimmen mit wilden Delfinen gefährlich sein, vor allem wenn man ahnungslos, schlecht instruiert und aufdringlich ist. Deshalb lässt man zum Wohl der Delfine und zum eigenen Schutz im Normalfall wohl besser die Finger vom Delfinschwimmen.

Anmerkung: Die Fahrt nach Mikura und das Schwimmen mit wilden Delfinen wurde aus eigenen Mitteln finanziert.

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