Gute Tage, schlechte Tage - die Hoffnung aber bleibt

25. Okt 2011

Pazifische Weissseitendelfine

Gestern war ein guter Tag für die Delfine. Das Wetter war zwar günstig und die Delfinjäger machten noch vor 6 Uhr Leinen los für eine weitere Treibjagd. Bald waren wir ihnen wieder auf den Fersen mit unserem Boot. Die Jäger gingen sehr weit raus und verschwanden für unser Sichtfeld sogar unter dem Horizont (ja - für alle die noch zweifeln mögen - die Erde ist rund!)

Dann die erlösende Sichtung und entsprechene Meldungen von unseren Beobachtern an Land. Die Jagdboote kehrten eines nach dem anderen in einem langen Konvoi unverrichteter Dinge zurück, bis alle zwölf wieder im Hafen vertäut waren.

Heute aber war wieder ein schlechter Tag für die Delfine. Ähnliches Wetter, ähnlicher Ablauf wie gestern. Aber heute wurden die Jäger fündig. Und zu unserem Schrecken noch doppelt dazu. Eine Gruppe jagte schliesslich mit sieben Booten, die andere mit fünf.

Unser Boot war gewissermassen dazwischen, stets argwöhnisch beobachtet von einem furchteinflössenden Kahn der japanischen Küstenwache, heute aber aus grösserer Distanz. Auch wir hielten Distanz zu den Delfinjägern, allerdings etwas weniger als gestern.

Der eine Jagdverband arbeitete sich langsam aber sicher gegen die Bucht von Taiji vor. Der kleinere mit fünf Booten aber kam nicht vom Fleck. Schwarzer Russ aus den Schornsteinen der Jagdboote verriet eine nicht enden wollende Treibjagd, während wir etwas weiter draussen auf dem Meer, rund 7 Kilometer von der Küste entfernt auf Beobachtungsposition fuhren.

Dann plötzlich - Delfine, die an uns vorbeischossen! Wahrscheinlich Pazifische Weissstreifendelfine. Offensichtlich in wilder Flucht zum offenen Meer hin und nur ganz kurz zu sehen. Mit einem nächsten Blick zu den Jagdbooten kam die grosse Erleichterung. Sie gaben auf und kehrten unverrichteter Dinge in den Hafen zurück.

Dem anderen Verband aber war es derweil gelungen, erneut eine kleine Schule von Rundkopfdelfinen in die Todesbucht von Taiji zu treiben. Wieder mussten neun Meeressäuger ihr Leben lassen. Wenn man eine Treibjagd beobachtet mit diesen schnellen Booten, wird einem klar, wie ermüdend diese Hetze für die Delfine sein muss.

Je länger die Jagd dauert, desto erschöpfter sind die Tiere. Irgend einmal können sie nicht mehr und geben fast auf. Vor allem Jungtiere werden den Delfinschulen zum Verhängnis, weil sie weniger schnell sind und öfter auftauchen müssen. Eine Delfingruppe würde niemals junge oder langsamere Tiere im Stich lassen und die Flucht ergreifen. Sie bleiben zusammen - bis zum Ende.

Heute liessen die Delfinjäger zum Schluss dann zwei Jungtiere wieder frei, indem sie sie aufs offene Meer transportierten. Ob sie, ihrer gesamten Familie beraubt, schutzlos und unerfahren eine Chance haben, ist fraglich. Aber vielleicht schaffen sie es. Vielleicht finden sie eine andere Schule von Rundkopfdelfinen und können sich diesen anschliessen.

Die Hoffnung bleibt. Und die Freilassung zeigt, dass die Jäger einmal mehr auf die vielen Anrufe an japanische Botschaften und diverse Behörden reagiert haben. Unsere Anwesenheit und Berichterstattung macht auch so ganz konkret immer wieder einen entscheidenden Unterschied. Unsere Anwesenheit rettet Delfinleben.

Zum Bild: Pazifische Weissstreifendelfine

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Susanne | 26. Okt 2011

Hans Peter, ich glaube, das sind Weiß s t r e i f e n delfine. Weiß s e i t e n delfine kommen meines Wissens gar nicht in Japan vor.
Vielen Dank für deinen Bericht! Ich glaube auch, dass ihr mit eurer Anwesenheit Delfinleben rettet! Auch dafür vielen Dank!!!

Kommentar von Susanne | 28. Okt 2011

Vielen Dank für deinen Bericht! Ich glaube auch, dass ihr mit eurer Anwesenheit Delfinleben rettet! Auch dafür vielen Dank!!!
Wer noch mehr über Weißstreifendelfine erfahren möchte, dem empfehle ich die Systematik bei den Meeresakrobaten: http://www.meeresakrobaten.de/systematik/zahnwale/delfinartige/delfine/kurzschnauzendelfine/weissstreifendelfin/

Kommentar von Hans Peter Roth | 28. Okt 2011

Merci, liebe Susanne.
Eure Meeresakrobaten-Seite ist wirklich sehr zu empfehlen! Liebe Grüsse, Hans Peter