Hoffnungsvolle Neuigkeiten aus Japan

22. Jan 2012

Otsuchi

Japans «Hochburg» der Schweinswal-Jagd, Otsuchi, wird laut unbestätigter aber zuverlässiger Quelle keine Dall’s Schweinswale mehr töten. Auch im berüchtigten südjapanischen Fischerdorf Taiji nimmt die Zahl gefangener Delfine laufend ab.

Otsuchi war bis vor einem Jahr das eigentliche Zentrum der Schweinswaljagd in Japan. Mehr als 10'000 Dall’s Schweinswale erlegten die Harpunenjäger jedes Jahr allein hier auch in jüngerer Zeit noch, obschon die Zahlen bereits deutlich zurückgingen. Dann wurde das Städtchen mit knapp 16'000 Einwohnern zum Ort einer unvorstellbaren Tragödie. Am 11. März 2011 löschte der Tohoku-Tsunami Otsuchi praktisch aus. Es wird nie möglich sein, die Opferzahl zu ermitteln. Es müssen Tausende sein.

Doch obschon der Ort wirtschaftlich noch immer völlig danieder liegt, kamen in den letzten Monaten Gerüchte auf, die Jagd auf Dall’s Schweinswale sei wieder aufgenommen worden. Dabei sind der Hafen und die küstennahen Gewässer nach wie vor nur sehr beschränkt benutzbar, auch wegen der Trümmerfelder im Wasser. Karl Goodsell von der Organistion «Positive Change for Marine Life» ging den Gerüchten vor Ort nach. Der Australier stiess dabei auf bahnbechende Neuigkeiten.

Der Vorsitzende der Fischereibehörde von Otsuchi habe ihm in einem persönlichen Gespräch gesagt, dass zurzeit keine Schweinswal-Jagden stattfinden, liess Goodsell auf der Facebook-Seite von «Positive Change for Marine Life»* verlauten. Mehr noch: Es sei «sehr unwahrscheinlich, dass von Otsuchi aus je wieder Schweinswale gejagt würden»; das sei schlicht nicht mehr machbar. Karl Goodsell, bemüht sich, demnächst vor Ort konkretere Auskünfte diesbezüglich zu erhalten.*

Hoffnungsvolle Neuigkeiten auch aus Taiji: Dort beobachtete Delfinschützer Richard O’ Bar­ry («The Cove», Oscar 2010) am 15. Januar 2012, wie Delfinjäger eine sehr grosse Schule von geschätzten 200 Streifendelfinen gegen die Bucht trieben. Doch dann spalteten sie nach Schätzungen von O’Barry etwa 80 Prozent der Delfine ab und entliessen sie ins offene Meer. Schliesslich wurden «nur» 34 Tiere in die Todes-Bucht von Taiji getrieben und getötet.

«Dies ist ein klarer Hinweis, dass kaum mehr Nachfrage nach Delfinfleisch besteht», folgert Richard O’Barry: «Noch vor wenigen Jahren hätten sie alle Delfine getötet.» Seit Eröffnung der Jagdsaison sind in Taiji rund 500 Delfine getötet worden. 30 kamen in Gefangenschaft und etwa 40 wurden wieder aus der Bucht freigelassen. Geht es in diesem Takt weiter, werden in Taiji bis zum Ende der Jagdsaison kaum 700 Delfine getötet. Das wären 700 zu viel, sind aber weit weniger als früher und kaum ein Drittel der gesamten Fangquote.

*«Positive Change for Marine Life» klärt im Weiteren ab, inwieweit der Bevölkerung in Otsuchi konkret beim Wiederaufbau geholfen werden kann. Siehe auch www.positivechangeformarinelife.org

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