Was Fukushima mit der Delphinjagd zu tun hat

11. Mär 2013

Otsuchi

Der Tsunami in Nordjapan vor zwei Jahren hat die weltweit grösste Jagd auf kleine Zahnwale praktisch beendet. Im südjapanischen Taiji hingegen ist die Zahl der getöteten Delphine wieder leicht gestiegen. Es besteht ein direkter Zusammenhang.

Vor genau zwei Jahren ist in Japan durch eine Dreifach-Katastrophe eine neue Ära angebrochen. Das Erdbeben, der Tsunami und die Fukushima-Strahlung haben das Land der aufgehenden Sonne am 11. März 2011 nachhaltig verändert. Selbst für die Delphinjagd hat dieses Ereignis einschneidende Bedeutung. Nicht nur weil der Tsunami mehr als 1000 Kilometer vom Epizentrum entfernt in zerrissenen Hafengehegen des südjapanischen Fischerdorfs Taiji noch ein Dutzend gefangener Delphine tötete.

Besonders verheerend wütete der Tsunami in der nordjapanischen Präfektur Iwate. Einer der am schlimmsten betroffenen Orte an der Ostküste war Otsuchi. Die Flutwelle hat die Fischereistadt mit verheerender Wucht richtiggehend weggefegt, wie der Journalist Hans Peter Roth bei einem von OceanCare unterstützten Besuch vor Ort mit eigenen Augen feststellen musste. Otsuchi war bis zum 11. März 2011 das logistische Zentrum der Schweinswaljagd.

Schweinswale sind kleine Zahnwale, kaum länger als zwei Meter, die von ungeübten Beobachtern auf Distanz oft mit Delphinen verwechselt werden. In Japan bezeichnet man sie auch als «Iruka», «Delphin». Noch in der letzten Saison vor dem Unglück wurden in Otsuchi rund 5000 erlegte Schweinswale angelandet. Wenige Jahre zuvor waren es sogar noch mehr als zehntausend gewesen. Während Jahrzehnten wurden an keinem anderen Ort der Welt jede Saison so viele Wale getötet wie hier.

Der Tsunami hat die Schweinswaljagd nun jäh beendet. In der Jagdsaison 2011-12 wur­den gerade noch 175 Tiere eingebracht, im weiter nördlich gelegenen, wenig beschä­digten Hafen von Kuji. Es ist nicht anzunehmen, dass sich die Schweinswaljagd dem Niveau von vor dem Unglück je wieder auch nur annähern wird. Bei allem Mitgefühl für die schwerstbetroffene lokale Bevölkerung ist dies aus Sicht des Wal- und Delfinschutzes ein Lichtblick.

Schon vor der Katastrophe habe sich die Schweinswaljagd in einem eigentlichen Niedergang befunden. Dies erklärte Ken Sasaki am 1. November 2012 anlässlich des Eröffnungsdatums der aktuellen Jagdsaison gegenüber OceanCare. Der ehemalige Vorsitzende der mittlerweile bankrotten Fischereikooperative von Otsuchi nennt als Hauptgründe die sinkende Nachfrage für Wal- und Delfinfleisch und die Abwanderung. «Kaum jemand will diesen harten, blutigen Job noch machen.»

Die mangelnde Nachfrage nach «Iruka» hat einerseits mit dem Generationenwechsel in Ja­pan zu tun. Junge Leute finden keinen Geschmack mehr an Delphin- und Walfleisch. Hinzu kommt das wachsende Bewusstsein, dass insbesondere «Iruka» stark mit Schadstoffen wie Methyl-Quecksilber und PCB belastet und daher für den Verzehr ungeeignet ist. Tests im Auftrag von OceanCare und befreundeten Organisationen belegen dies seit Jahren. Hinzu kommt jetzt noch die Radioaktivität.

Somit landet kaum mehr «Iruka» in Nordjapans Supermärkten. Bislang belieferten die Jäger von Iwate auch Läden in der westlich von Tokio gelegenen Präfektur Shizuoka, weil da traditionell noch eine gewisse Nachfrage nach Delphin- und Walfleisch besteht. Die Versorgungslücke aus dem Norden füllt nun vermehrt Taiji mit Delphinfleisch aus aktuellen Fängen. Darin ist ein Hauptgrund zu vermuten, warum in der soeben beendeten aktuellen Delphinjagd-Saison in Taiji wieder mehr Delphine getötet wurden.

Beachte hierzu auch die aktuellen Beiträge im Medienbereich, den Post bei OceanCare und die folgenden, von mir verfassten Zeitungsbeiträge:

Südostschweiz am Sonntag Seite 1
Südostschweiz am Sonntag Seite 2
Sonntag
Landbote

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