Augenzeuge der Delfinjagd in Japan berichtete

14. Feb 2011

Ostsee-Zeitung

Stralsund – Es sind schreckliche, dramatische Bilder, die am Samstagabend die Zuschauer im Ozeaneum ertragen mussten. Zum Auftakt der zweiten Veranstaltungsreihe „Film & Meer“ trafen sich in der Halle „Riesen der Meere“ aber keine Liebhaber cineastischen Horrors, sondern Menschen, die einen bewegenden Naturfilm sahen, 2010 mit einem Oscar prämiert.

Unter dem deutschen Titel „Die Bucht“ zeigt der einstige Delfintrainer von TV-Star „Flipper“, Richard O’Barry, die Schrecken der Delfinjagd im japanischen Fischerort Taiji. Zur Vorführung stand der Schweizer Journalist und Mitautor der „Bucht“, Hans Peter Roth, den Zuschauern Rede und Antwort.

Unmittelbar vor dem Film aus Japan angereist, konnte er als Augenzeuge der Treibjagden über die aktuelle Situation in der Region berichten. Bereits am Nachmittag schilderte Roth „noch im Jetlag und bei nur vier Stunden Schlaf in
zwei Tagen“ der TV-Dokureihe ZDF.umwelt die neusten Eindrücke und Erfahrungen seines sechsten Japan-Aufenthaltes. Als entscheidende Reaktion der weltweiten Empörung über die Bilder in dem aufrüttelnden Dokumentarfilm konstatiert er einen „gewissen Rückgang der brutalen und blutigen Treibjagden“, aber „leider auch eine Zunahme der Lebendfänge für internationale Delfinarien“.

Als „unglaublich zynisch“ bezeichnet der engagierte Tierschützer „diese grausame Tierquälerei, um Delfine dann anderswo als liebenswerte Streicheltiere zu präsentieren“. Mit Hilfe des Films und seiner Aktivitäten hofft Hans Peter Roth aber auf ein baldiges Ende dieser Praktiken. Selbst in Japan findet seiner Meinung nach bereits ein Prozess des Umdenkens statt: „Viele wissen nichts von diesen schrecklichen Treibjagden, die sogar von der Regierung subventioniert werden“. Dank des „Oscars“ fand der Film aber auch dort Beachtung und die Delphinjagd stößt „zunehmend auf Widerstand“.

Um diesen Prozess weiter zu beschleunigen, will der Journalist als Pilotprojekt zukünftig touristische Reisen in die Region mit einer „wunderschönen Landschaft“ organisieren. Das zeige den Menschen dort, dass es „eine Alternative zum Delphinschlachten gibt“.

(Von Bernd Hinkeldey, Ostsee-Zeitung)

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