Petition gegen Delfin-Importe eingereicht

18. Nov 2011

Südostschweiz

Der gesamte Text ist im Zeitungs-Layout in der angehefteten PDF-Datei nachzulesen. Siehe unten.

Für eine «magische» Zahl fehlte eine Stimme: Mit 77‘776 Unterschriften hat die Organisation OceanCare gestern in Bern die Petition «Nein zum Import von Delphinen und dem Bau neuer Delphinarien» eingereicht.

Von Hans Peter Roth

Der Zeitpunkt ist brisant und zufällig zugleich: Im umstrittenen Delphinarium «Connyland» sind innerhalb von nur einer Woche unter mysteriösen Umständen zwei Delfine gestorben. Gestern nun hat die Schweizer Organisation OceanCare den Parlamentsdiensten in Bern 77'776 Unterschriften übergeben. «So viele Schweizerin­nen und Schweizer äussern sich mit der Unterzeichnung einer OceanCare-Petition gegen den Import von Delphinen und den Bau neuer Delphinarien», sagte OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber gestern vor dem Bundeshaus in Bern.

Befangener Staatsanwalt

Erst am Mittwoch wurde bekannt, dass Patrick Müller, der Thurgauer Staatsan­walt, der sich mit den Vorfällen rund ums Connyland befasst, offenbar befangen ist. Er war auch mit einer Strafanzeige gegen die Betreiber des Freizeitparks betraut. OceanCare und die Stiftung für das Tier im Recht hatten diese 2010 wegen «gravierender Vorstösse gegen das Tierschutzgesetz durch Connyland» eingereicht. «Ungeachtet der Tatsache, dass im Connyland in gut drei Jahren acht Delfine verstorben sind, wurde die Anzeige letzte Woche als haltlos abgewiesen und eingestellt», äussert sich Sigrid Lüber befremdet.

Jetzt zeigen Recherchen von OceanCare und vom «10vor10» des Schweizer Fernsehens, dass Staatsanwalt Patrick Müller Präsident des Handball Sportclubs Kreuzlingen ist. Dieser Handballklub wiederum führt auf seiner Internetseite Conny Land AG Freizeitpark als einen der Spezial-Sponsoren auf. «10vor10» präsentierte zudem eine E-Mail, die der Staatsanwalt an Connyland-Direktor Roby Gasser geschrieben hat. Aus der Mail vom 22. Juli 2011 geht hervor, dass die beiden per Du sind und dass Müller Gasser juristische Ratschläge gibt.

Schockierender Filz

Staatsanwalt Müller schrieb im Mail an Roby Gasser, er wolle abklären, ob man Tierschutzorganisationen gerichtlich verbieten könne, das Connyland als Tierquäler zu bezeichnen. Prompt hat das Bezirksgericht Kreuzlingen im August 2011 entschieden, dass das Connyland nicht mehr als Tierquäler bezeichnet werden darf. Strafrechtsprofessor und SP-Nationalrat Daniel Jositsch zeigt sich gegenüber «10vor10» «schockiert» über die nahe Bekanntschaft von Müller und Gasser: «Dass sie sich juristische Tipps geben, während noch ein Verfahren läuft, das geht eindeutig nicht.»

Mittlerweile ist der Staatsanwalt vom Fall der beiden gestorbenen Delfine im Connyland entbunden worden. Zudem dürfte die Behandlung der Strafanzeige von OceanCare und der Stiftung Tier im Recht gegen Connyland jetzt neu aufgerollt werden. «Dies werden wir auch mit aller Entschiedenheit fordern», betont OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber: All dies zeige, dass man mit der Petition den richtigen Weg einschlage: «Nur ein Importstopp und ein klares Verbot für den Bau neuer Delphinarien kann dem Elend der Delphine hierzulande ein Ende setzen.» Nachdruck verleiht der Petition eine von BDP-Nationalrätin Brigitta Gadient eingereichte Motion für ein «Importverbot von Cetacea». Sie wird von 50 Nationalräten aus allen Fraktionen unterstützt.

Mehr Informationen: www.oceancare.org

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Petition auch in der EU

Ein ganzes Konsortium von internationalen Tierschutz- und Umweltorganisationen hat gestern in Bern auch eine Delfinschutz-Petition an EU-Botschafter Michael Reiterer überreicht. Darin sprechen sich 60’588 EU-Bürger gegen den Import von Delfinen und den Bau von neuen Delphinarien in der EU aus. «Es kann nicht angehen, dass in einer aufgeschlossenen Ländergemeinschaft wie der EU Wildtiere unter artenwidrigen Bedingungen gehalten werden», sagt Sigrid Lüber. Die Präsidentin von OceanCare hat die Petition im Namen von elf Organisationen eingereicht. «Wildtiere wie Delphine gehören nicht in Betonbecken, wo sie als Jahrmarkts-Attraktion zur Schau gestellt werden.» (hpr)

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