Mit Tsunami-Spenden den Walfang fördern

08. Dez 2011

NZZ Online

Stell Dir vor, Du spendest Geld für die Tsunami-Opfer in Japan, und dieses wird zur Unterstützung der Wal-Abschlachtung durch die Japaner im südpazifischen Walschutz-Gebiet eingesetzt. Ein übler Scherz? Übel schon. Sehr übel. Scherz leider nicht. Dies zeigt der aktuelle Artikel auf NZZ-Online, der auch in der NZZ-Printausgabe publiziert wurde: Japan will mit Geldern aus der Tsunami-Hilfe die Walfangschiffe gegen Angriffe von Umweltaktivisten schützen. Damit solle der vom Tsunami zerstörten Region im Nordosten des Landes geholfen werden. Viele Dörfer seien dort vom Walfang abhängig.

(ddp) Japan will umgerechnet kanpp 18 Millionen Franken aus dem Nachtragshaushalt für den Wiederaufbau nach dem Tsunami in den Walfang investieren. Ein Sprecher der japanischen Fischereibehörde kündigte am Donnerstag an, dass das Geld in die Sicherung der Walfangschiffe gegen Angriffe von Umweltschützern gesteckt werden solle.

Umweltorganisationen kritisieren Investition als Missbrauch

Diese Investitionen dienten der vom Tsunami zerstörten Region im Nordosten des Landes, wo viele Dörfer vom Walfang lebten. Eines der Schiffe sei in Ishinomaki beheimatet, einer Stadt, die beim Tsunami am 11. März besonders stark beschädigt worden war.

Umweltschutzverbände kritisierten die Investition als Missbrauch staatlicher Mittel. Laut Greenpeace wird das Geld den Opfern des Tsunamis vorenthalten. Die Organisation Sea Shepherd Conservation Society versucht regelmässig mit spektakulären Manövern, den Walfang zu behindern. Im vergangenen Jahr sank nahe der Antarktis ein Schnellboot der Aktivisten, nachdem bei einer Kollision mit Walfängern der Bug abgetrennt wurde.

Laut Masahiro Ichijo von der japanischen Küstenwache wird das Geld aus der Tsunami-Hilfe vorwiegend für die Aufstockung des Sicherheitspersonals an Bord der Walfangschiffe sowie ein Begleitboot der Fischereibehörde ausgegeben. Damit sei die Flotte «so sicher wie nie zuvor». Ichijo sagte, die Anwesenheit von Beamten der Küstenwache diene der «Abschreckung». Er wolle aber nicht mit deren Möglichkeiten angeben. Es gebe keine «Kampfansage».

Nachfrage nach Walfleisch stark gesunken

Japan darf in dieser Saison von Dezember bis Februar für wissenschaftliche Zwecke 900 Wale töten, deren Fleisch dann verkauft wird. Nach Angaben von Kritikern ist dieser Verkauf der wahre Grund für die Jagd. Für wissenschaftliche Beobachtungen müsse man die Wale nicht töten, ausserdem liege die Menge der getöteten Tiere – meist Zwergwale – im Bereich kommerziellen Walfangs.

Dabei ist die Nachfrage nach Walfleisch in Japan stark zurückgegangen. Im Winter 2010/2011 hatte die Fischereibehörde die Walfangsaison vorzeitig abgebrochen, angeblich wegen Sicherheitsbedenken. Junichi Sato von Greenpeace Japan hatte den Rückgang des Walfleischverzehrs bereits in der vergangenen Saison kommentiert: «Das ist die Stimme der japanischen Öffentlichkeit, und die will kein Walfleisch essen.»

Um den Artikel online anzuschauen: Siehe hier.

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