Japan eröffnet die neue Saison zur Delphinjagd

31. Aug 2012

OceanCare

Die Zahl getöteter Delfine und Schweinswale in Japan nimmt deutlich ab. Ein ermutigendes Zeichen für den Erfolg der Kampagnen, die OceanCare mitträgt. Doch jetzt wird die neue Jagdsaison eröffnet – noch immer mit völlig überrissenen Fangquoten. Es bleibt viel zu tun.

Wädenswil/Taiji, 31.08.2012 Der erste September markiert auch dieses Jahr die Eröffnung der neuen Jagdsaison für Delphine in Japan. Damit erweckt das südjapanische Fischerdorf Taiji, das berüchtigt ist für seine Delphin-Treibjagden, wiederum weltweite Aufmerksamkeit. Hier hat der Oscar-prämierte Dokumentarfilm «Die Bucht» vor drei Jahren die brutale Praxis der Delphintreibjagd und die grausamen Tötungsmethoden der Delphinjäger in nie zuvor gesehener Weise ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Schon länger klärt OceanCare über das buchstäbliche Treiben in Taiji auf.

Delphinjäger spüren auch ab diesem September bis zum Ende der Jagdsaison im März 2013 wieder Delphine verschiedener Arten auf offenem Meer auf. Mit aufgereihten Schnellbooten und Metallstangen, mit denen sie unter Wasser Lärm erzeugen, treiben sie die Meeressäuger bis zur Erschöpfung vor sich her, bis in eine kleine Bucht in Taiji. Hier werden die Delphine in einem nicht einsehbaren Teil der Bucht weiterhin auf bestialische Weise getötet, wie aktuelle, teils von OceanCare mitfinanzierte Filmdokumente belegen.

Besonders zynisch: vor der Tötung werden die schönsten Tiere, zumeist makellose junge Weibchen, ausgelesen für den Lebendhandel in Delphinarien. Vor allem «Flipper», das heisst Tümmler, sind begehrt. Unter internationalen Delphinhändlern gilt Taiji als der Ort, wo Delphine am einfachsten käuflich zu erwerben sind. Für OceanCare-Präsidentin Sigrid Lüber ist der Lebendfang von Delphinen nichts anders als «Walfang mit verzögerter Todesfolge». Die traumatisierten, ihren sozialen Verbänden entrissenen Tiere erwartet ein einsames, stressvolles, kurzes Leben in erbärmlicher Enge.

Verschiedene Organisationen haben für den heutigen 31. August und den ersten September zur Teilnahme am «Japan Dolphin Day 2012» aufgerufen, als Zeichen gegen die Delphinjagd in Japan und die milliardenschwere Delphinarienindustrie, die mit ihrer Nachfrage die Treibjagden erst lukrativ macht. Vor zahlreichen japanischen Botschaften und Konsulaten weltweit finden heute und morgen Kundgebungen oder Mahnwachen statt. Zudem ist der weltbekannte Delphinschützer Richard O’Barry gemeinsam mit Aktivisten zum friedlichen Protest an den Ort des Geschehens gereist: nach Taiji.  

Zwar setzt Japan ungeachtet der weltweiten Missbilligung seine Programme zur Wal- und Delphinjagd fort. Doch die Quoten für die Küstenjagd auf kleine Zahnwale wie Delphine und Schweinswale wurden in den letzten Jahren stetig gesenkt. Noch deutlicher zurückgegangen sind die effektiven Fangzahlen. Starben in der Saison 1997-98 noch 20‘007 Schweinswale und Delphine, so waren es 2009-10 nur noch 11‘161 Tiere. Seither sind vor allem die Fänge von Schweinswalen in Nordjapan nochmals massiv eingebrochen, als Folge der Tsunami-Katastrophe. Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor.

Auch in Taiji sind die Fangzahlen deutlich rückläufig. Lag die Zahl der getöteten Delphine im Jahr 2008 noch bei nahezu 1800, sind es in der vergangenen Saison kaum mehr die Hälfte davon gewesen. «Dies zeigt, dass unsere Kampagnen, die auf Zusammenarbeit und nicht auf Konfrontation ausgelegt sind, ihre Wirkung nicht verfehlen», freut sich Sigrid Lüber. Sie mahnt aber gleichzeitig: «Noch bleibt sehr viel zu tun. So hat Japan mit insgesamt 17‘217 Kleinwalen und Delphinen in seinen Gewässern für die anbrechende Fangsaison erneut völlig überrissene Quoten festgelegt.»

Für OceanCare gibt es nur eine Lösung: Die absolute Nullquote. «Dies nicht nur aus Sicht des Tier- und Artenschutzes, sondern vor allem auch um die Menschen zu schützen», erklärt Sigrid Lüber. «Denn das Fleisch von Delphinen und Schweinswalen ist teilweise massiv höher mit Methylquecksilber und anderen Schadstoffen belastet als die zulässigen japanischen Grenzwerte.» Somit sei es für den Verzehr ungeeignet, ja gefährlich. «Wir bleiben dran!», betont Sigrid Lüber. OceanCare wird auch in dieser Jagdsaison zeitweise wieder personell vor Ort in Japan vertreten sein.

Hans Peter Roth

Der Beitrag ist auch unter OceanCare zu finden.

Zurück