Die untergegangene Katastrophe

10. Mär 2013

Südostschweiz-Sonntag

Erst kam das Beben, dann die Welle, dann kamen die Strahlen. Vor zwei Jahren, am 11. März 2011, erschütterten drei aufeinanderfolgende Katastrophen Japan. Unser Reporter aber erlebte eine stille, vierte Katastrophe: Hunderte Kilometer der japanischen Küste sind abgesunken.

Die Erdstösse sind so heftig, dass man sich kaum aufrecht halten kann. Der sonst steinharte Strassenbelag wird zu einem Teppich der unter den Füssen weggezogen wird. Brian Barnes bricht als Erster die schockierte Stille: «Wir müssen weg hier. Sofort.» Es ist der 11. März 2011, Nachmittag des Untergangs. Die kleine nordjapanische Hafenstadt Otsuchi ist soeben vom heftigsten, je in Japan registrierten Erdbeben erschüttert worden.

Nur einen Tag zuvor ist der US-Amerikaner Barnes mit drei weiteren Wal- und Delfinschützern angekommen. Er ist auf der Spur der Schweinswaljagd. Nirgends auf der Welt werden mehr Wale getötet als in Otsuchi. Fischer fahren mit  ihren Jagdbooten hinaus, um Schweinswale, kleine Zahnwale, nicht grösser als Delfine, zu harpunieren – über 10'000 Stück pro Saison. Die offizielle Fangquote liegt sogar bei mehr als 15 000 Tieren. Doch jetzt muss der Tierschützer sein eigenes Leben retten.

«Wir sind auf null Meter über Meer hier – jeden Moment kann ein Tsunami heranrasen!» Brian behält einen kühlen Kopf. Als «Storm-Chaser», der zu Hause Tornados hinterherjagt, kennt er Extremsituationen. Nach langen bangen Minuten in verstopften Strassen Otsuchis erreichen beide Mietautos der Reisegruppe eine kleine bewaldete Anhöhe direkt über der Bucht. Keine Minute zu früh.

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